Mit dem Faltboot um Europa - Teil 3

1. Mai 2005 – Zwei Jahre sind die Ulms bereits auf ihrer Tour rund um Europa unterwegs. Mit der Überfahrt nach Italien haben die beiden zumindest optisch die erste Hälfte des Weges hinter sich gelassen. Ausgehend von Deutschland führte sie ihre Europatour über die [...]

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1. Mai 2005 – Zwei Jahre sind die Ulms bereits auf ihrer Tour rund um Europa unterwegs. Mit der Überfahrt nach Italien haben die beiden zumindest optisch die erste Hälfte des Weges hinter sich gelassen. Ausgehend von Deutschland führte sie ihre Europatour über die Donau ins schwarze Meer, durch den Bosporus in die Ägäis, vorbei an den Griechischen Inseln, durch den Kanal von Corinth, das Ionische Meer hinüber nach Italien…

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Einsamer Strand in Italien

Jetzt im Frühjahr erstrahlt die Region Calabrien in sattem Grün. Franziska fühlt sich an Ihre Kärntner Heimat erinnert. Durch die starken Regenfälle der letzten Zeit blüht und gedeiht die Pflanzenwelt auf den hohen Bergen. Nur die langen Sandstrände, die bei Gegenwind keinen Schutz bieten verursachen gelegentlichen Frust. Die Ulms genießen das milde Klima, besuchen einige Bergdörfer und paddeln voll Zuversicht Richtung Strasse von Messina, dem nächsten tückischen Knackpunkt ihrer Reise.

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Die verschiedenen Strömungen in der Meeresstraße machen den Ulms sehr zu schaffen. Es ist ein harter Kampf den Stiefel Italiens zu umrunden. Sie sind froh, als sie das Ionische Meer schließlich hinter sich lassen, denn die Bedingungen im Tyrrhenischen Meer sind viel versprechend. Nicht selten paddeln Rainer und Franziska 25 bis 37 Kilometer pro Tag. "Das geht natürlich nur, wenn man um 5:00 Uhr morgens startet und um 20:00 Uhr abends an Land geht. Wer schon mal ähnliches gepaddelt hat, weiß wie ausgelaugt und fertig man an solchen Tagen ist." Trotzdem wollen die Ulms die langen heißen Sommertage bestmöglich ausnutzen um rasch voran zu kommen.

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Gefiederte Begleitung

Bereits in der Stadt Crotone in Calabrien haben die Ulms "Verstärkung" in ihrem Team aufgenommen. Seit drei Monaten ist Outdoor- Ente "Enza" nun mit dabei und entwickelt sich zu einem stattlichen und klugen Begleiter. "Wenn ihm zu heiß ist springt er einfach vom Kajak ins Wasser, Schwimmt eine Zeitlang neben uns her, badet sich und wenn wir zu schnell paddeln, schimpft er kräftig und hüpft zurück aufs Boot."

Anfang August erreichen die Ulms Neapel. Die Freude über das Paddeln in der Nähe einer Großstadt ist gering. Dreckiges Wasser, unsaubere Strände und extremer Schiffsverkehr – trotzdem baden die Menschen im Meer. "Angefangen von großen Containerschiffen bis zu kleinen Motorbooten geht es hier zu wie auf der Autobahn!" Schon nach wenigen Tagen kehren sie der Stadt den Rücken und folgen der Küste weiter bis Rom.

"Der Tag an dem wir in Rom ankamen, war ein Spitzentag für uns – 53 Kilometer in 11 Stunden!" In Rom stehen wieder einmal Pressemeetings und andere organisatorische Angelegenheiten auf dem Programm, dennoch bleibt Zeit sich die Stadt genauer anzusehen.


Bild rechts: Outdoor-Spezialist Enza mit Franziska

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Ein schöner Tag zum Segeln

Nördlich von Rom wird die Küste zu einer eher eintönigen Landschaft. An den langen Sandstränden, fernab von jedem Dorf, geht den Ulms das Wasser aus. "Das stürmische Meer hielt uns fest, wir waren heilfroh als in der zweiten Nacht ein Unwetter aufzog und es aus Kübeln zu gießen begann. Am nächsten Morgen schöpften wir über 40 Liter aus unserer mit der Zeltplane gebauten Wasserauffanganlage in die Wassersäcke – Regenwasser schmeckt zwar fad, doch wir waren froh wieder Wasser zu haben!"

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Schlafplatz gesucht: einsamer Strand......oder doch lieber Luxushafen?

Mittlerweile sind Franziska und Rainer 1000 Tage unterwegs. Bei Cecina paddeln die beiden in den gleichnamigen Fluss hinauf um dem stürmischen Seegang zu entkommen. Ente "Enza" ist immer noch mit dabei und bringt die örtlichen Fischer zum staunen. Der hohe Seegang macht ein weiterkommen unmöglich, und so folgt eine mehrtägige Zwangspause. "In diesen Tagen freundete sich "Enza" mit zwei Wildenten an, die so zutraulich wurden, dass sie sogar mit ihm zum Zelt kamen um aus dem Futternapf zu fressen." Umso trauriger dann der sechste Tag. "Enza" ist verschwunden. "Unsere Nachforschungen ergaben, dass ein etwas unbeliebter Fischer sie sich geschnappt hat und zu einem befreundeten Jäger gebracht hat. Alle Fischer, die uns dort kannten, waren empört und es gab einen riesen Tumult. Zwei Tage später brachten sie uns eine 20 Tage junge Ente – wir nannten sie auch "Enza"!"

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Der Winter naht nun wieder in großen Schritten und die morgen Toilette wird wieder zur Katzenwäsche. Bei Bocca Di Magra erreichen die beiden Paddler das Ligurische Meer, das bereits das sechste Meer auf ihrer Reise ist. In Bocca die Magra verbringen die Ulms auch Weihnachten. "Die Polizei brachte uns am 24.12. einen großen Kuchen und eine Flasche Spumante ans Zelt. Am 25. waren wir bei einer italienischen Familie zu einem ausgiebigen Essen eingeladen."Bild links: Segeln erleichtert das Weiterkommen

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Im Nationalpark Cinque Terre paddeln Rainer und Franziska tagelang an der felsigen Küste und verschlafenen kleinen Örtchen entlang. Eine dieser Ortschaften "Riomaggiore" bleibt ihnen dabei ganz besonders im Gedächtnis. "An diesem Tag blies der Tramontana, (aus dem Norden und sehr kalt) mit starken Fallwinden von den Bergen herab und auch die hohe Felsküste bot keinen Schutz. Immer wieder wurden wir von den starken Böen gerüttelt, dass es uns fast die Paddel aus der Hand riss."

Kampf mit dem Sturm

"Die Gefahr aufs Meer hinaus geblasen zu werden war groß. Vorwärts gepeitscht von extremen Böen, wobei wir nur unsere Paddel in den Wind hielten, ging es um ein Cap. Vor uns sahen wir Riomaggiore, doch der Wind kam nun plötzlich von vorne. Immer wenn wir uns einige hundert Meter vorwärts gekämpft hatten sehen wir auf dem Wasser eine Böe auf uns zukommen, wenige Minuten später waren wir wieder an die Anfangsstelle am Cap zurückgeworfen. Erst beim fünften Versuch und nach zwei Stunden gelang es uns den Hafen zu erreichen."

Bild rechts: Rainer mit Enza II

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Achtung, Kameramann an Bord!

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Vorbei an Genua geht es entlang der Ligurischen Küste weiter bis Monaco. Vom Yacht Club de Monaco werden die beiden Extrempaddler für vier Tage in ein Hotel eingeladen. "Die Mitglieder des Yacht Clubs leben in einer ganz anderen Welt – ein kleiner Schock für uns, von all diesem Luxus umgeben zu sein." Entlang der Côte d’ Azur geht es vorbei an traumhaften Sandstränden und abwechslungsreichen Felsküsten bis zum Rhône Delta.Bild links: Romantische Küche am Hafen...Bild links unten: Lecker! Hummer frisch harpuniertBild unten: Der Wind fordert Tribut - kapute Segel.

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Ab Port St. Louis wählen die Ulms den Weg über die Kanäle. Zunächst paddeln sie über die große und die kleine Rhône, den Kanal Sete und den Bassin de Thau in den Kanal Midi. "In den Schleusen erlebten wir so einiges, aber am meisten beeindruckt hat uns wohl das Paddeln über die Brücke. Man hat das Gefühl der Kanal geht über die Berge." Auch die siebenfache Schleuse bei Bezier entwickelt sich zu einem Abenteuer. Wieder ist eine Genehmigung notwendig, was also tun?

Knappe Sache

"Wir trafen vier Deutsche auf Hausbooten die sich kurzerhand entschlossen, unsere Boote seitlich festzumachen und unsere Boote so durch die Schleusen zu bringen." Ein gewagtes Unternehmen das beinahe in einer Katastrophe endet. "In den Schleusen werden immer vier Boote auf einmal reingezwängt und unsere Kajaks waren in der Mitte." Für die Bootsleute bedeutet das zwei Stunden höchste Konzentration, damit die Faltboote nicht zerdrückt werden. "Wir würden das nicht noch mal machen - es war Wahnsinn!" erinnern sich die Ulms.

Bild rechts: Austernfangen in Frankreich

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Bilder oben: Zwei Jahre lang war Faltboot-Ente "Enza II" mit den Ulms auf Tour.All die Aufregung wird durch die wunderbare Landschaft entlang der Kanäle entschädigt. Flamingos und Pelikane sind in den Etangs heimisch. "Der Weg über die Kanäle war wunderschön und sozusagen etwas Urlaub für uns, es gab kein Kämpfen gegen Wind und Wellen und das Anlegen am Ufer war leicht." "Einfach genial zum Paddeln"Über 8000 Kilometer haben Rainer und Franziska Ulm bereits bewältigt, Italien und Frankreich liegen hinter ihnen. Tiefblau zeigt sich das saubere und klare Wasser der Costa Brava. "Einfach genial zum Paddeln." Nicht umsonst wird die Costa Brava auch "Wilde Küste" genannt. "Von der französischen Grenze zieht sie sich mit felsigen Meeresarmen, mit Kiefern bewachsenen Felsküsten, geschützten Buchten und goldenen Sandstränden nach Süden bis Loret de Mar."Bild links: Ein Loch im Boot

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Hafenstimmung in Spanien

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Während des Sommers sind die Tage unglaublich heiß, die Hitze quält die beiden Paddler. "Die Hitze laugte uns aus. Trinken ist wichtig, zum essen mussten wir uns abends zwingen. Rainer ging oft Harpunieren und holte Muscheln die wir gleich roh verspeisten. Köstlich!"

Über Barcelona führt die Route weiter nach Valencia, Peniscola in Richtung Gibraltar. "Das Küstengebiet vom Kap Palos an, über Cartagena, Mazarron bis Almeria ist wild zerklüftet, mit steil abfallenden Felsen die wenig erschlossen und bebaut sind. Ein Traum nicht nur für Paddler, da man an vielen stellen einsame Buchten findet."

Gibraltar in Sichtweite

Das Jahr vergeht, Gibraltar rückt immer näher und immer Meer Segler warnen die Ulms. "Wahrscheinlich war Franziska schon in Gedanken am Atlantik draußen, als sie beim Kreuzen einer Bucht unter Besegelung kenterte. Nach langem Schöpfen und gegen den Wind ankämpfen erreichten wir den Strand – Franziska zähneklappernd und durchgefroren – war ja Winter." Nach Estepona wird der Blick immer öfter frei auf den Affenfelsen von Gibraltar.

Bild rechts: Hochsommer in Spanien

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Stürmische See in SpanienSicherer Hafen

Der Fischerhafen La Linea de la Concepcion wäre ein idealer Ausgangspunkt um am nächsten Tag frühmorgens Gibraltar in Angriff zu nehmen. Die Fischer sind jedoch besorgt, da in der Gegend viel gestohlen wird und der Hafen nachts nicht bewacht ist. "Wir machten uns also um 17:00 Uhr auf und umrunden bei leichter Kreuzsee Gibraltar. Kurz vor dem Europapunkt kreuzte ein U-Boot vor uns." Kurz darauf legen die beiden Unerschrockenen bei gedämpftem Mondlicht an der ersten Hafenmauer an.

"Plötzlich kreutzt ein U-Boot vor uns"

Wenig später rast eine Militärstreife im Schnellboot auf sie zu. "Die waren sehr überrascht und konnten sich nicht erklären wie wir hier auf den Pier, dem Anlegeplatz für Kriegsschiffe kommen. Erst als wir sie auf unsere Faltboote aufmerksam machten entspannte sich die Situation." Wieder einmal sind die internationalen Presseberichte äußerst hilfreich. Im Wachhäuschen werden die Ulms mit frischem Fisch verköstigt, bleiben dürfen sie dort jedoch auch nicht. Weiterpaddeln geht ebenfalls nicht, denn die Faltboote haben keine Positionslichter. Spät am Abend werden sie schließlich von zwei weiteren Militärbooten zum Zoll eskortiert. "Pässe vorzeigen, einklarieren usw. Bürokratie halt. Nur bei unserer Ente wussten sie nicht weiter. Erst sollte sie in Quarantäne dann aber wusste niemand, wie die Bestimmungen für Enten sind. Am Ende sind sie sehr entgegenkommend, wir sollten nur bei den Medien in Gibraltar nichts über sie erzählen."

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Segeln in einer geschützten Bucht

Wie es Rainer und Franziska bei ihrer Reise entlang der Atlantikküste ergeht folgt in Teil 4 der kajak.at-Serie "Mit dem Faltboot um Europa".

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Mit dem Faltboot um Europa

5 Kommentare

  1. TrustedPaddler

    Aja, hab i vergessen diesmal...

    Reiseberichte und Fotos: Rainer und Franziska Ulm
    Webseite: www.ulm-outdoor.de

  2. TrustedPaddler

    die ente ist ja süß:) habt ihr die noch oder ist die jetzt weg?

  3. TrustedPaddler

    ...kommt noch in teil 4 oder 5 was mit Enza II passiert ist...

  4. TrustedPaddler

    Hätte ich nie gedacht, dass Faltboote so robust sind. Nicht schlecht und weiter so!!!

  5. TrustedPaddler
    ingolf schustervor 2 Monaten

    Moin Moin,
    Ihr habt meinen ganzen Respekt und mein Hochachtung.
    Da ich selbst ein 40 Jahre altes pouch zu einem 2 master mit Ausleger und Plattform umgebaut habe würde mich interessieren warum ihr keine Segel setzt.
    Aber eigentlich ist es egal.
    RESPECT.
    L.G. Ingolf

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